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Deponie Neuenburg 1

Rekultivierung der Deponie Neuenburg (Betriebsabschnitt I):

1. Das Standortsgutachten - Bestandsaufnahme und Bewertung

 

Die Rekultivierung von Deponien hat allgemein zum Ziel, die Bauwerke in die Umgebung einzugliedern, eine Folgenutzung zu ermöglichen und einen Beitrag zur Minimierung des Sickerwasserzutritts zu leisten. Um Emissionen aus Deponien zu vermeiden, werden an der Oberfläche (Ziel: kein Eintritt von Niederschlag) und an der Basis (Ziel: kein Abfluss von Sickerwasser) nach heutiger gesetzlicher Vorgabe Abdichtungen angebracht. Bei älteren Deponien kann auf eine Nachrüstung mit einer Oberflächenabdichtung verzichtet werden, wenn ihre Abwässer keine Gewässerverunreinigung verursachen.

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Die Kreismülldeponie Neuenburg liegt zwischen Rhein und A 5 in einer ehemaligen Kiesgrube. Betriebsabschnitt (BA) I ist eine 25 m hohe Halde mit ca. 6 ha Fläche. Bis 1984 wurden mehr als 0,5 Mio m³ Hausmüll, Gewerbemüll und Bauschutt abgelagert. Seit 1974 wurde die Halde sukzessive mit Boden aus der Umgebung abgedeckt und mit Gehölzen (vor allem Robinien) bepflanzt. Die Beschaffenheit der ohne Planung und Dokumentation ausgeführten Abdeckung ist weitgehend unbekannt.
Betriebsabschnitt I besitzt weder eine Basis- noch eine Oberflächenabdichtung.

Ziel der Bestandsaufnahme -auch Standortsgutachten genannt- war es nun, Datengrundlagen für die weitere Rekultivierungsplanung bereitzustellen und insbesondere folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie ist die Eignung der Abdeckung als Standort für Gehölzbestände einzustufen?
  • In welchem Umfang gelangt Sickerwasser aus Niederschlägen in den Deponiekörper?
  • Welche Bedeutung kommt der Vegetation bei der Sickerwasserreduzierung zu?

 

Hierzu wurde die Erdabdeckung der Deponie flächendeckend mit dem 2-m-Bohrstock in unterschiedlich weitem Raster (20x20m/10x10m) erkundet. Bei den Bohrungen wurden folgende Bodeneigenschaften mit Geländemethoden aufgenommen: Mächtigkeit, Bodenarten, Humusgehalt, Carbonatgehalt, Lagerungsdichte und Redoxmerkmale. In sieben Aufschlüssen (Gruben) wurde an Leitprofilen zusätzlich Durchwurzelung, Steingehalte, Rohdichte, Wasserleitfähigkeit und die Gehalte wichtiger Nährstoffe (C, N, P) bestimmt.
Ökologische Zeigerwerte der Vegetation und Messungen der Zuwachsraten an Robinien sollten Auskunft über die Standortqualität geben und einen Vergleich mit den umgebenden Waldbeständen ermöglichen . Die Aufnahme der Naturverjüngung erlaubte Prognosen über die Bestandesentwicklung.
Eine Wasserhaushaltsmodellierung mit dem Programm HELP für sieben Standortseinheiten (Leitprofile) berechnete die Sickerwassermengen in Abhängigkeit von Witterung und Bodeneigenschaften. Sie konnte zeigen, dass der Bodenbeschaffenheit und Aufbau der Abdeckung einen wesentlichen Einfluss auf die Absickerungsraten nehmen. Da das HELP-Modell als Vegetationsdecke nur Grasbewuchs und keine Gehölze berechnete, der BA I jedoch auf gut 50 % seiner Fläche mit mehrschichtig aufgebautem Wald bestockt ist, wurde die im Vergleich zum Gras höhere Gesamtverdunstung der Gehölzbestände nicht adäquat berücksichtigt. Die Ergebnisse der Modellierung bedurften daher einer entsprechenden Interpretation.

Das Standortsgutachten war die Grundlage für die Entwicklung eines standortangepassten Rekultivierungskonzeptes für den Betriebsabschnitt I der Deponie Neuenburg.

 


Laufzeit:

April 1999 bis Januar 2000

Auftragsgeber:

Abfallwirtschaft Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (ALB), Freiburg

Bearbeitung:

Peter Wattendorf und Gerhard Bönecke

 

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